Das unbekannte Land in mir. Meine Depression Part I

Das unbekannte Land in mir. Meine Depression Part I

Eingetragen in: BLOG, HAUTNAH | 2

I. Rock Bottom.



I needed to hate myself, before I could even think about loving myself.




Einmal die Abkürzung ins Leben bitte, zum Mitnehmen.

Egal welchen Weg wir im Leben gehen, egal was wir machen, was wir uns vornehmen, wir müssen damit anfangen. Und wo beginnt man die Dinge normalerweise? Am Anfang.

Das klingt logisch, aber wer will schon mit etwas beginnen? Wir alle wollen irgendwo sein, an einem bestimmten Punkt, einem bestimmten Ziel. Nur nicht hier, nicht jetzt.

Wie viele von uns wünschen sich bei allen möglichen Dingen eine Abkürzung, einen ‘quick fix’?

Dieser ‘quick fix’ aber, ist nur eine vorübergehende Lösung, bei der das eigentliche Problem nur überlagert wird.

Denn, auf dem Weg ins Leben gibt es keine Abkürzungen. Die kleinen nicht so erfreulichen Dinge der Seele, suchen sich ihren Weg an die Oberfläche. Und sie sind stur, laut und unablässig.

Lange Zeit habe ich das genau anders gesehen, habe mich vehement dagegen gewährt den langen, womöglich harten Weg zu gehen. Ich wollte es einfach und ich wollte es jetzt. Immer. Mit allem. Geduld ist keine meiner erstgenannten Stärken.



Wer ein Dach auf ein Haus bauen möchte, muss zunächst für ein starkes Fundament sorgen.



Rock bottom – oder das unverhüllte Gesicht meiner Depression

Ich musste schmerzlich erfahren, dass mich jede „Abkürzung“ nur immer wieder an den Ausgangspunkt zurückbringt, mich enttäuscht und entkräftet zurücklässt und ich wieder und wieder von vorne anfangen muss.

Und irgendwann, hatte ich nicht mal mehr darauf Lust.

Ein freudiges Gesicht vorzutäuschen, wenn die Schreie in deinem Inneren so laut sind, dass du darunter fast zusammenbrichst.
Interesse zu heucheln an Dingen, die dich fertig machen, dir den letzten Nerv rauben oder einfach keinen Platz in deinem Leben finden.

Das alles war ich so leid.
Niemand hat mich gezwungen das zu tun. Niemand, außer mir selbst. Jahrelang.



Es kam der Tag, da hatte ich keine Kraft mehr mich wieder und wieder an die Startlinie zu schleppen und mich zu motivieren auch nur einen einzigen Schritt zu gehen. Kein Ziel schien erreichbar, kein Etappenziel verlockend genug. Alles war egal, weil alles egal war.
Es war bedeutungslos wie weit das Ziel entfernt war, wenn jeder einzelne Schritt zur Qual wird, weißt du, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist.

Lange habe ich versucht mich zu winden, wollte nicht wahrhaben, dass etwas mit mir “nicht stimmt”. Ich habe bis oben hin Arbeit angehäuft; habe mein Hirn benebelt, nur um mir keinen Raum zum Fühlen zu geben. Und doch wusste ich unterbewusst oft, dass da etwas in mir ist, das gesehen werden will.

So war es unausweichlich, dass meine Beine irgendwann ganz nachgaben.


Da lag ich also, an meiner seelischen Startlinie. Das Gesicht im Dreck, die Augen müde vom Gucken, die Knochen mürbe vom ständigen Aufraffen, die Muskeln schmerzen bei jeder Bewegung.
Ich kenne das alles, bin tausendmal hier gewesen und wollte nur eins: weg, so schnell wie möglich.

Und doch ist es dieses Mal anders.


Ich hebe den Kopf und kann mein Ziel in der Ferne nur erahnen, Nebel macht sich breit und ehe ich mich versehe, will ich einfach nur noch dort liegen.

Und fallen.

Dort liegen und fallen.

Diese beiden Dinge waren das Einzige was ich wollte.



So fühlt es sich also an, das ist ‘Rock Bottom’.
Es ist kalt, es ist dunkel, es ist feucht.




Es fühlt sich Scheiße an, ja, es ist richtig beschissen.. Es tut weh. Es zieht. Es zerrt. Es ist leer.
Es ist kaum auszuhalten, wie sehr ich diesen Moment hasse, ihn am liebsten nehmen würde und ihn gegen die Wand klatschen würde.

Aber das funktioniert nicht. Ich merke, dass ich es aushalten muss, dass dies der einzige Weg ist, der mich zurück ins Leben bringt.

Langsam merke ich, wie sich meine Wut und die Verzweiflung in mir legt.
Ich höre auf, gegen das zu kämpfen, was ist und schließe die Augen.


Ich lebe.

Ich atme.

Ich kann die Augen öffnen.

Und das reicht.



Ich erkenne, dass jeder Kampf zwecklos, jedes Leugnen närrisch und jedes Schönreden gefährlich ist.
Also liege ich dort und atme.

Ich versuche zu akzeptieren, dass das alles ist was gerade geht und dass das gut ist.



Zulassen, was ist.

Es ist schwer.

Ich merke wie sich durch den kleinen Spalt meines geschlossenen Auges eine Träne ihren Weg bahnt. Als sie langsam über meine Wange rollt und ich den kalten Hauch wahrnehme, den sie auf meiner Haut hinterlässt, wird mir klar, wie wichtig dieser Moment ist. Mit all den Schmerzen und all der Dunkelheit.

Der Moment, in dem ich keine Kraft mehr habe gegen mich selbst zu kämpfen, ist der Moment der mich überleben lässt.
Hier und jetzt spüre ich, dass nichts wichtiger ist, als dieser Augenblick.



Wie konnte mir das nur passieren. Warum ich.

(weiter Part II)


live. love. be yourself.

Sabrina


2 Antworten

  1. […] habe ich nicht immer so gesehen und wenn du Lust hast, kannst du erfahren warum und wieso sich das geändert […]

  2. Mad
    | Antworten

    Hey Sabrina,

    habe endlcih mal Zeit gefunden bei dir hier vorbei zu schauen! Schön geschriebener Beitrag, da fühle ich mich gleich wieder einige Jahre zurückversetzt. Ja, das mit den Depressionen kenne ich und auch das dumpfe Gefühl, dass da was in mir rumort, eine Sehnsucht, ein Wunsch, ein verdrängtes Problem, eine meiner vielen Unzulänglichkeiten und Selbstzweifel.
    Aber nach Rock Bottom kann es nur mehr raufgehen. Du scheinst ja auch zum Potential des Augenblicks gefunden zu haben, das freut mich :-) Keep your head up.

    Cheerio,
    Mad

Deine Gedanken zu diesem Thema