Ein Tag am Meer

Ein Tag am Meer

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Ein Tag am Meer



Lagos, Portugal. Mai 2014

Vorsichtig nähert sich mein Bewusstsein dem schon angebrochenen Tag.
Ich nehme wahr, dass die Nacht vorüber und der neue Tag bereits einige Stunden alt ist.
Langsam öffne ich die Augen.


Durch die Schlitze der alten, beige farbenen Holzrollos fällt das warme Licht der Sonne. Die gelb schimmernden Strahlen treffen am anderen Ende meines kleinen Raumes an die weiß verputzte Wand. Dort, wo meine Sachen von letzter Nacht an einem silbernen Haken hängen, finden sie ein scheinbares Ende.
Als ich meine Sachen wahrnehme, denke ich an den letzten Abend zurück. Die Erinnerungen vermischen sich mit den Gedanken an den heutigen Tag.


Wo das Meer ist, bin ich zu Hause

Das Rauschen der Wellen lenkt meine Aufmerksamkeit nach draußen. Ein sanftes Geräusch. Der Klang der Freiheit.

Ich strecke mich und grabe meinen Körper dabei noch einmal tief in mein Bett. Es ist warm. Die dünne Decke streife ich mit meinen Füßen stück für Stück von mir, bis sie am Bettrand zu Boden fällt.
Ich setze mich auf, reibe mir den Schlaf aus den Augen und nehme einen großen Schluck Wasser aus dem Glas, dass auf meinem walnussfarbenen Nachttisch steht.
Als meine Füße den alten Holzboden berühren, schaue ich durch die Schlitze des Rollos in die Ferne.
Der blaue Himmel, gespickt mit Zuckerwatte-artigen Wolken, wirkt friedlich.


Ich öffne das Fenster und atme tief ein. Meeresluft steigt in meine Nase. Ich bin zu Hause.

Ich gehe zu meinen Sachen, nehme mir ein Shirt vom Haken und werfe es mir über. Die zart knarrende Tür meines Zimmer öffnend, spüre ich, wie zufrieden ich bin.

Im Bad angekommen gucke ich in den Spiegel. Ich schaue mir in die Augen und nehme mich wahr.
Mit einem dünnen schwarzen Haargummi binde ich mir die Haare zu einem Knäuel. Ich mag das Durcheinander auf meinem Kopf.

Als das kalte Wasser mein Gesicht berührt fühle ich mich lebendig.


Nachdem ich mir ein Glas vom selbigen genommen habe, setze ich mich an meinen Küchentisch.
Die Stille genießend, schaue ich den kleinen Partikeln dabei zu wie sie Im Sonnenlicht durch die Luft schweben. Ich erinnere mich an einen Spruch, den ich vor langer Zeit hörte.
Genau in diesem Moment spüre ich, was er bedeutet.

„Find Love and Happiness in the simplest of things.”


Das sanfte Rauschen der Wellen zieht mich nach draußen. Ich schnappe mir einen Apfel und mache mich auf den Weg ans Wasser. Meine Füße nehmen die von der Sonne aufgewärmten Steine wahr.

Ruhe

Ich sitze eine Weile im Sand und schaue dem Wellengang zu. Fast meditativ wälzen sich die Wassermassen hin und her. Der feine Sand zwischen meinen Zehen ist angenehm warm.

    In die Ferne schauend erinnere ich mich, wie mächtig der Ozean schon als Jugendliche für mich schien. Die Unendlichkeit des Meeres ist für mich wahnsinnig faszinierend. Sie erdet mich und lässt mir Raum, mich auf das Wesentliche zu besinnen.


    Ich muss daran denken wie schwer es mir fiel zu akzeptieren, dass ich nicht in das „normale“ Bild der Gesellschaft passe. Dass ich keine Ausbildung und kein Studium fand, das mich hätte dauerhaft befriedigen können. Die Zweifel die ich tagtäglich mit mir rumschleppte und Nachts mit in meine Träume nahm, waren Furcht erregend und belastend. Und doch bin ich diesem Umstand und meiner Vergangenheit unendlich dankbar. Denn das war der Weg, der mich hier her brachte.


    Gäbe es etwas, dass ich meinem 17 jährigen Selbst sagen könnte, dann wäre es das:

    Sei geduldig. Vertraue Dir. Alles wird gut.


    Ich weiß nicht ob ich auf mich gehört hätte, aber zwischen all dem Druck den ich mir selbst machte, wären es schöne Worte gewesen.

    Habe ich früher über meine Zukunft nachgedacht, war es nie die Frage „Womit kann ich möglichst viel Geld verdienen?“ Sondern immer „Was könnte mich wirklich glücklich machen?“ Und da die Antwort darauf nie ein Studiengang, noch ein hoch dotierter Job war, fühlte ich mich immer etwas fremd in dieser Welt, in der es an vielen Stellen nur um Karriere, Geld und Macht geht.

    Ich erinnere mich aber auch, dass unter all dem Grübeln, all dem Hin- und Herwälzen von Ideen auch immer eine Stimme war, die wusste dass sich alles zu seiner Zeit finden würde.


    Heute weiß ich, dass diese Stimme sich nicht irrte. Heute weiß ich, dass diese Stimme meine Stimme ist; und dass all die Unsicherheiten und das ständige Auf und Ab in mir, durch Stimmen von außen hervorgerufen wurden.

Ich lege mich in den warmen Sand und schließe meine Augen.

Ich lächle. Ich bin glücklich.



live. love. be yourself.
Sabrina


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Eine Antwort

  1. Weltenstuermer Mad
    | Antworten

    Hey Sabrina,

    eigentlich peinlich, dass ich dich erst jetzt lese, aber so ist es nun mal. Endlich habe ich die Zeit gefunden mich blogtechnisch umzusehen.

    Wirklich ein sehr sehr schöner Beitrag. Und ich frage mich, wenn ich das Datum des Artikels sehe, was hast du mittlerweile erlebt? Wo bist du? Wie geht es dir?

    Update vielleicht :-)

    Vielleicht bist du ja glücklich, vielleicht war das dein Ziel mit diesem Blog, und du hast es wider deiner Erwartung schon erreicht. Ich wünsch es dir von ganzem Herzen, falls es so sein sollte. Bin nämlich selbst darauf aus…. Umso schöne wäre/ist es, wenn eine/r es mir vorgemacht hat. Mir bewiesen hat, dass es möglich ist. Unmittelbar, in kürzester Zeit.

    Liebe Grüße,
    Mad

    Und falls du nichts dagegen hast, wühle ich mich weiter durch deinen Blog. auf dass ich mich verstanden fühle ;-)

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